{"id":173260,"date":"2026-10-19T07:59:47","date_gmt":"2026-10-19T05:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mistrend.ch\/bien-au-travail-mais-proches-du-burn-out-le-paradoxe-des-actifs-suisses-2\/"},"modified":"2026-10-19T08:40:37","modified_gmt":"2026-10-19T06:40:37","slug":"wohl-bei-der-arbeit-aber-nahe-am-burn-out-das-paradox-der-erwerbstaetigen-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mistrend.ch\/de\/wohl-bei-der-arbeit-aber-nahe-am-burn-out-das-paradox-der-erwerbstaetigen-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Wohl bei der Arbeit, aber nahe am Burn-out: das Paradox der Erwerbst\u00e4tigen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><strong>85% der Erwerbst\u00e4tigen f\u00fchlen sich bei der Arbeit wohl. 55% waren schon einmal nahe am Burn-out. Beide Zahlen stammen aus derselben Umfrage, die MIS Trend f\u00fcr Le Nouvelliste bei 1&#8217;647 Erwerbst\u00e4tigen zwischen 16 und 65 Jahren in der Romandie und der Deutschschweiz durchgef\u00fchrt hat. Le Nouvelliste hat die Ergebnisse am 5. Oktober 2026 ver\u00f6ffentlicht, analysiert von zwei Fachleuten aus der Arbeitswelt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Wohlbefinden, das nicht alles sagt<\/strong><br \/>\n85% bezeichnen ihr Wohlbefinden bei der Arbeit als eher gut (60%) oder sehr gut (25%). Und 55% waren schon einmal (32%) oder mehrmals (23%) nahe am Burn-out.<\/p>\n<p>Das Bild ist nur auf den ersten Blick erfreulich: 44% sp\u00fcren regelm\u00e4ssigen oder st\u00e4ndigen Druck, und 47% litten in den letzten 12 Monaten oft oder einige Male an chronischer M\u00fcdigkeit wegen ihrer Arbeit. F\u00fcr St\u00e9phane Haefliger (Vicario Consulting) und Rafa\u00ebl Weissbrodt (Hochschule f\u00fcr Gesundheit Wallis), welche die Ergebnisse f\u00fcr Le Nouvelliste analysiert haben, reicht das angegebene Wohlbefinden allein nicht aus, um die Gesundheit bei der Arbeit zu messen.<\/p>\n<p><strong>Der Lohn: vierte Quelle des Wohlbefindens, gr\u00f6sster Mangel<\/strong><br \/>\nArbeitsklima und KollegInnen (48%), Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeiten und Flexibilit\u00e4t (42%), interessante Aufgaben (39%): Die drei wichtigsten Quellen des Wohlbefindens haben nichts mit der Lohnabrechnung zu tun. Der Lohn kommt erst an vierter Stelle (36%).<\/p>\n<p>Auf die Frage, was am meisten fehlt, um sich bei der Arbeit besser zu f\u00fchlen, steht jedoch eine bessere Entl\u00f6hnung an der Spitze (50%), vor mehr Anerkennung (32%) und besserem Management (32%). Pro Frage waren drei Antworten m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Krank arbeiten, ein bewusster Entscheid<\/strong><br \/>\n74% der Erwerbst\u00e4tigen haben schon weitergearbeitet, obwohl sie sich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden h\u00e4tten krankschreiben lassen sollen, 21% davon oft. 84% von ihnen sagen, es sei haupts\u00e4chlich ihr eigener Entscheid gewesen, 16% nennen den Druck des Arbeitgebers. In derselben Umfrage sind 79% der Meinung, dass manche Personen Krankschreibungen missbrauchen.<\/p>\n<p><strong>Deutschschweiz, Romandie: zwei Verh\u00e4ltnisse zur Arbeit<\/strong><br \/>\n89% der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer f\u00fchlen sich bei der Arbeit wohl, gegen\u00fcber 75% in der Romandie. Regelm\u00e4ssiger oder st\u00e4ndiger Druck: 41% gegen\u00fcber 53%. Schon nahe am Burn-out: 52% gegen\u00fcber 64%.<\/p>\n<p>Die Unterschiede von 12 bis 14 Punkten liegen \u00fcber den Fehlermargen beider Regionen. Rafa\u00ebl Weissbrodt sieht darin zun\u00e4chst eine unterschiedliche Art, einen Fragebogen zu beantworten, und unterschiedliche Erwartungen an den Arbeitgeber: In der Deutschschweiz ist das Vertrauen in ihn gr\u00f6sser.<\/p>\n<p><strong>Die 16- bis 29-J\u00e4hrigen stehen unter st\u00e4rkerem Druck<\/strong><br \/>\n15% der 16- bis 29-J\u00e4hrigen sp\u00fcren immer oder fast immer Druck bei der Arbeit, gegen\u00fcber 6% der 30- bis 44-J\u00e4hrigen und 8% der 45- bis 65-J\u00e4hrigen. 44% f\u00fchlen sich schuldig, wenn sie abends, am Wochenende oder in den Ferien nicht erreichbar sind (22% bei den 45- bis 65-J\u00e4hrigen). 31% denken daran, ihr Unternehmen zu verlassen, um ihre Gesundheit zu sch\u00fctzen (17% bei den 45- bis 65-J\u00e4hrigen).<\/p>\n<p>Die beiden von Le Nouvelliste befragten Experten warnen jedoch vor einem Generationeneffekt: F\u00fcr St\u00e9phane Haefliger h\u00e4ngt das Verh\u00e4ltnis zur Arbeit st\u00e4rker von Bildungsniveau, Lohn und Netzwerk ab als vom Alter.<\/p>\n<p><strong>Methodik<\/strong><br \/>\nOnline-Fragebogen, verbreitet vom 15. Juli bis 20. August 2026 \u00fcber die Plattformen von Le Nouvelliste und ESH M\u00e9dias sowie vom 4. bis 20. August 2026 im Panel von MIS Trend. 1&#8217;647 Erwerbst\u00e4tige zwischen 16 und 65 Jahren in der Romandie und der Deutschschweiz. Die Gesamtergebnisse wurden nach Geschlecht, Alter und Kanton gewichtet, um die Bev\u00f6lkerung der beiden gr\u00f6ssten Sprachregionen abzubilden.<\/p>\n<p>Maximale Fehlermarge: \u00b1 3,3 Punkte f\u00fcr das Total, \u00b1 4,0 Punkte in der Romandie, \u00b1 4,3 Punkte in der Deutschschweiz.<\/p>\n<p>Nicht alle Prozentwerte beziehen sich auf dieselbe Basis. Die 84%, die angeben, aus eigenem Entscheid krank gearbeitet zu haben, beziehen sich auf die 1&#8217;213 Personen, die dies schon getan haben, nicht auf alle Befragten. Eine Umfrage lesen heisst auch, ihre Basis lesen.<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><br \/>\nStudie der MIS Trend SA f\u00fcr Le Nouvelliste, \u00abLa sant\u00e9 au travail\u00bb, August 2026 (1&#8217;647 Erwerbst\u00e4tige zwischen 16 und 65 Jahren, Romandie und Deutschschweiz, \u00b1 3,3 Punkte).<\/p>\n<p>Le Nouvelliste, 5. Oktober 2026:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.mistrend.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MIS_Trend_Gesundheit_am_Arbeitsplatz_DE_v5.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umfrage: Burnout, Krankschreibungen, Unterschiede zwischen Romandie und Deutschschweiz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>85% der Erwerbst\u00e4tigen f\u00fchlen sich bei der Arbeit wohl. 55% waren schon einmal nahe am Burn-out. 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